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Stand vom: 09.01.2017

Rattige Lyrik


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Wir haben hier einige Texte zusammengestellt, die sich rund um unsere Lieblingstiere drehen. Wir wünschen Dir viel Spaß beim Lesen und wenn Du irgendwo noch einen netten Text findest, ob nun eigener Kreativität entsprungen oder von jemand anderem (dann natürlich mit entsprechendem Copyrighthinweis), würden wir uns freuen, wenn Du uns eine E-mail schickst.

 

Lieber Ratten im Keller, als Verwandte im Haus
Unbekannter Autor


Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht
Mark Twain, 1835-1910, Amerikanischer Schriftsteller


Die Ratte, die das sinkende Schiff verlässt, ist klüger als der Kapitän, der damit untergeht...
Jonathan Swift, 1667-1745, anglo-irisch. Erzähler, Moralkritiker und Theologe


Gute Tiere, spricht der Weise, mußt du züchten, mußt du kaufen.
Nur die Ratten und die Mäuse, kommen ganz von selbst gelaufen
Wilhelm Busch, 1832-1908, deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller


Der Rattenfänger von Attendorn
blies auf seinem Rattenhorn:
"Hinaus aus der Stadt,
was den Schwanz hinten hat!"
Er selber blieb drin, denn...
Unbekannter Autor


Die Wanderratten

Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viel tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl durch die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,
Die lebenden lassen die toten zurück.

Es haben diese Käuze
Gar fürchterliche Schnäuze;
Sie tragen die Köpfe geschoren egal,
Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale Rotte
Weiß nichts von einem Gotte.
Sie lassen nicht taufen ihre Brut,
Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,
Er will nur fressen und saufen,
Er denkt nicht, während er säuft und frißt,
Daß unsre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs neue zu teilen die Welt
Heinrich Heine, 13.12.1797 bis 17.2.1856, deutscher Dichter und Publizist


Aus der Zopfzeit

Zu Kassel waren zwei Ratten,
Die nichts zu essen hatten.

Sie sahen sich lange hungrig an;
Die eine Ratte zu wispern begann:

"Ich weiß einen Topf mit Hirsebrei,
Doch leider steht eine Schildwach dabei;

Sie trägt kurfürstliche Uniform,
Und hat einen Zopf, der ist enorm;

Die Flinte ist geladen mit Schrot,
Und wer sich naht, den schießt sie tot!"

Die andere Ratte knistert
Mit ihren Zähnchen und wispert:

"Des Kurfürsten Durchlaucht sind gescheit
Er liebt die gute alte Zeit,

Die Zeit der alten Katten,
Die lange Zöpfe hatten.

Durch ihre Zöpfe die Katten
Wetteiferten mit den Ratten.

Der Zopf ist aber das Sinnbild nur
Des Schwanzes, den uns verlieh die Natur;

Wir auserwählten Geschöpfe,
Wir haben natürliche Zöpfe.

O Kurfürst, liebst du die Katten,
So liebst du auch die Ratten;

Gewiß für uns dein Herze klopft,
Da wir schon von der Natur bezopft.

O gib, du edler Philozopf,
O gib uns frei den Hirsetopf,

O gib uns frei den Topf mit Brei,
Und löse ab die Schildwach dabei!

Für solche Huld, für solchen Brei,
Wir wollen dir dienen mit Lieb und Treu.

Und stirbst du einst, auf deinem Grab
Wir schneiden uns traurig die Schwänze ab,

Und flechten sie um dein Haupt als Kranz;
Dein Lorbeer sei ein Rattenschwanz!"
Heinrich Heine, 13.12.1797 bis 17.2.1856, deutscher Dichter und Publizist


Die Ratte Robert

Die Ratte Robert lebte
glücklich in Haus 33.
Er fühlte sich hier pudelwohl.
Übte böse Streiche fleißig,
und spielte mit Omas Rosenkohl.

Die kleine schwarze Ratte,
die ist ein frecher Bursche.
Stopfte in den Abfluss weiße Watte
und fuhr Familie Krauses Porsche.

Doch weil er auch ein bißchen dick,
passierte ihm manches Missgeschick.
Klirr, fiel die neue Vase um.
"Ach, das war ja gar zu dumm!"

Und Schwupp, kam ein Teller hinterdrein.
Der Robert schämte sich aber nicht!
Er sagte sich leise: "Das ist fein!"
Und hatte ein Lächeln im Gesicht.

Doch da kam die Frau nach Hause,
mit der lieben Familie Krause.
Sie sahen die schlimme Bescherung;
und forderten eine Erklärung.

"Der Robert, der soll sofort aus dem Haus!"
Das sagte der geplagte Vater Klaus.
Erst wollten sie die Ratte zwingen,
der Kater sollte sie verschlingen.

Doch als die Tat nicht vollbracht,
verlangte die Ratte einen Lohn.
Sie wollte eine Luxusyacht
und natürlich einen gold’nen Thron.

Und als hätte er noch nicht genug,
forderte er noch größ’ren Unfug:
Wie fällt man jenen mehr zur Last,
wenn nicht mit ’nem Königspalast?

Sobald er ihnen das befohlen,
Nahm ihn die Familie gar nicht ernst.
Der Sohn begann gleich laut zu johlen,
Und Robert drohte: "Warte ab, bis du’s lernst!"

"Auch wenn ihr mir nicht die Pfoten leckt,
aber habt ein wenig mehr Respekt!
Sonst kriegt ihr mich garantiert nicht weich!"
Und schon folgte ein neuer Streich.

Robert biss dem Kater in seinen Schwanz.
Sodass er vollführte einen wilden Tanz.
Die Ratte lachte sich ins Pfötchen
und stahl als Festmahl noch ein Brötchen.

Da gingen die Krauses zur Polizei
und meldeten die ganze Schweinerei.
Als sie erzählten die ganze Geschicht’,
kam die Ratte Robert vor’s Gericht.

Doch so sehr sie auch nach Straftaten suchten,
er hatte die Punkte für sich zu verbuchen.
So kam die Familie in die Klappsmühle
und Roberts Palast war nun das Haus.
Als Thron nahm er sofort die Küchenstühle.
Jetzt nutzte er seine Freiheit kräftig aus.

Statt einem nahm er sogar ganze acht.
Und die Quietsche-Ente als Luxusyacht.
Er fühlt sich dort nun pudelwohl
und spielt ungestört mit Rosenkohl…
Janine Gürtler

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